Bauland mag teuer sein, aber Kulturpflanzenvielfalt ist unersetzlich

Träger des Alternativen Nobelpreises fordern gemeinsam mit dem VEN: Der Nutzpflanzengarten der Bonner Botanischen Gärten darf nicht weichen!

  Der bundesweit tätige Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) präsentierte heute dem Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch seltene Tomatensorten als Botschafter der Vielfalt. Gemeinsam mit zahlreichen in- und ausländischen Organisationen, mit zwei Trägern des Alternativen Nobelpreises und mit bisher über 2000 Unterstützern aus 25 Ländern fordert der VEN in der Vorbereitungsphase  des Bebauungsplanes für den Uni Campus Poppelsdorf, dass der dortige Nutzpflanzengarten nicht angetastet wird. Als einer der größten und ältesten Gärten dieser Art in deutschen Botanischen Gärten bietet er, nicht zuletzt durch seine gute Erreichbarkeit und attraktive Anlage, beste Voraussetzungen für die dringend nötige Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit über die Nutzpflanzenvielfalt, so Susanne Gura,   Erste Vorsitzende des bundesweit tätigen VEN. Für die Freunde und Erhalter der Nutzpflanzenvielfalt ist die Größe, räumliche Einheit und Atmosphäre des Nutzpflanzengartens an der Carl-Troll-Strasse wichtig. Es finden hier öffentliche Veranstaltungen mit hunderten von Besuchern statt. Die großen alten Bäume sind prägend, ebenso wie das „Bienenhaus“, der Hexengarten, und die großzügige Anlage der Staudenbeete mit heimischen Nutzpflanzen.

 Mit dem geplanten Uni Campus Poppelsdorf soll langfristig auch ein großer Teil des Nutzpflanzengartens bebaut werden. Kurzfristig soll ein Fahrrad- und Fussweg samt Zäunen den Garten zerschneiden.

Deshalb hat der VEN den Oberbürgermeister der Stadt Bonn heute aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass der geplante Weg nicht durch, sondern um den Garten herum geführt wird. Zu den Unterstützern der Forderung zählen der Internationale Dachverband der Ökolandbaubewegungen, der Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt, Slow Food Deutschland, der Deutsche Naturschutzring, die Naturfreunde Deutschlands, der lokale BUND und das Bonner Ökozentrum, zahlreiche Studierende und Alumni der Universität, aktive Erhalter und Paten von Nutzpflanzensorten, und begeisterte Hausgärtner und Geniesser der Früchte der Vielfalt.

 Im Bonner Nutzpflanzengarten werden viele Menschen zu Lernen, Anbau und Genuss motiviert. Ohne Menschen, die die heimischen Kulturpflanzen kennen, anzubauen, zu vermehren und zu nutzen wissen, können diese nicht auf Dauer erhalten werden.

 Genau dazu haben sich die Staaten der Welt mit der Konvention für Biologische Vielfalt vor 20 Jahren in Rio de Janeiro verpflichtet. Auch Teilnehmer einer Vorbereitungskonferenz für Rio+20 in Bonn haben vor wenigen Tagen die Forderung des VEN unterzeichnet. Darunter sind zwei Träger des Alternativen Nobelpreises, Pat Mooney und Vandana Shiva. Nicht zuletzt im Rahmen des in Bonn angesiedelten Right Livelihood Campus sind sie häufige Gäste -  und weisen auf den Widerspruch zwischen Worten und Taten in Bonn hin, wenn der Garten zerschnitten würde. Die Stadt darf nicht nur biodiversitätsrelevante Konferenzen durchführen und den Sitz von Organisationen einwerben, wie zuletzt den Globalen Fonds für Nutzpflanzenvielfalt, und wie derzeit das Pendant des Welt-Klimarates, den Welt-Biodiversitätsrat. Sie muss zuerst ihre eigene Biodiversität schützen, auch vor Bauvorhaben.

 Poppelsdorfer Bürger würden im künftigen Uni Campus gerne einen kaum 100 Meter längeren Weg um den Garten herum nutzen, anstatt große Teile des Gartens für eines von vielen neuen Institutsgebäuden zu opfern. Dies haben sie erst kürzlich mit mehreren Hundert Unterschriften beim Poppelsdorfer Strassenfest dokumentiert.

Weitere Informationen:

Susanne Gura, Erste Vorsitzende, VEN

T: 0228 9480670, mob 0177 6691400

www.nutzpflanzenvielfalt.de