Am 29./30.9, dem diesjährigen Erntedank-Wochenende, konnten wir dank Unterstützung und Mithilfe von Klöndör e.V. (Förderverein des Schweriner Museums) und BUKO-Agrar zum 4. Tag der Kulturpflanze ins Freilichtmuseum Schwerin-Mueß einladen. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Landwirtschaftsministers von Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus. Am Samstag, dem 29. September war die Veranstaltung eingebunden in den traditionellen Pflanzenmarkt des Freilichtmuseums. Bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen fanden 1600 Besucher den Weg ins Museum und gingen auf Entdeckungsreise zu Pflanzenschätzen und Saatgutraritäten. Ein mit zahlreichen Kürbissorten beladener Leiterwagen und die Tomatenpräsentationen an verschieden VEN-Ständen waren besondere Anziehungspunkte. Die Tomate - im Vorfeld in der Presse als Gemüse des Jahres vorgestellt - war denn auch das Hauptthema beim Erfahrungsaustausch zwischen den Gärtnern und Gärtnerinnen unter den Besuchern und uns Sortenpflegern. Viele der mitgebrachten Saatgutpäckchen konnten den interessierten Hobbygärtnern weitergegeben oder mussten ob der großen Nachfrage nachgeordert werden. Viele Besucher nutzten jedoch auch die Gelegenheit, sich über die Themen Sortenschwund, eigene Samengewinnung, biologische Saatgutzüchtung und die mit dem gesamten Themenkomplex verbundenen politischen Themen an unseren VEN-Ständen, oder bei denen von Dreschflegel und BUKO zu informieren. Vielbestaunt waren auch unsere Färbepflanzenausstellung, die Präsentation unserer Bohnenvielfalt sowie der Stand mit alten Kartoffelsorten.
Volker Janke führte stündlich durch den "DorfSchulLehrerGarten ANNO 1888" des Museums, man konnte alte Obstsorten aus dem Museumsgarten erwerben oder das traditionelle Brot aus dem Museumsbackofen zur Rauchwurst kosten. Zum Abschluß des Tages hatte Klöndör zum weiteren gemütlichen Beisammensein mit den auswärtigen Gästen und der Schweriner Bevölkerung am Kartoffelfeuer auf das Gelände des gegenüberliegenden Schullandheims geladen. Durch tatkräftiges Mitwirken der Hauswirtschaftsschülerinnen der Stadt Ludwigsburg konnte am Rande des Lagerfeuers ein Gemüse- und Kartoffelbuffet angerichtet werden. Angeboten wurden unter anderem auch traditionelle Gerichte der Region, wie Linsen mit Backpflaumen und Kohleintopf mit Äpfeln. Frau Dr. Lorey vom VEN spendete Kartoffeln für einen Kartoffelsalat in den Landesfarben und Kartoffelscheiben für die Einzelverkostung ihrer Kartoffelschätze. Die Musikgruppe Saitenspinner spielte mit mittelalterlichen Klängen zum Tanz auf. Für die Kleinsten der Gäste gab es nach dem Entzünden des Kartoffelfeuers einen Laternenumzug. Ziel der Laternenwanderung waren die an der alten Burgruine aufgestellten Gespensterkürbisse, die am Schnitzstand für Kürbislaternen tagsüber mit viel Eifer von den Kindern gebastelt wurden. Gegen Mitternacht verließen auch die Unermüdlichsten das Lagerfeuer um bereits in der Frühe des nächsten Tages ausgeruht die Schulbank der Dorfschule des Museums drücken zu können.
Bereits ab 9.00 Uhr luden wir am Sonntag, dem 30.9., in eines der Klassenzimmer der alten Dorfschule des Museums zu den Vorträgen des Symposiums rund um die Nutzpflanzenvielfalt. Trotz anhaltenden Nieselwetters an diesem Erntedanksonntag fanden etwa 35 Interessierte den Weg zur Vortragsreihe in die Schule, um sich über die vielfältigen Herangehensweisen und Aufgaben bei der Erhaltungsarbeit zu informieren und praktische Tipps für die Erhaltungsarbeit am Beispiel der Kartoffeln und Tomaten einzuholen oder sich anhand von Dias aus den Dritte-Welt-Ländern ein anschauliches Bild von der großen Aufgabe der Ernährungssicherung bei den indigenen Völkern geben zu lassen. Einblicke in die Züchtungsarbeit von Dreschflegel und die Gefahren des Polleneintrags von Freilandversuchen gentechnisch veränderten Sorten, in die Rekonstruktion des angrenzenden Dorfschullehrergartens anhand alter Pläne und Aufzeichnungen und die Herausforderung in der Verwendung der Pflanzenvielfalt in Schwerin und anderen Orten an die Planer der Bundesgartenschauen bereicherte den Themenkomplex und regten zur Diskussion an. Der begrenzte Raum im alten Klassenzimmer schaffte die Atmosphäre einer echten Gemeinschaft, zusammengeschweißt für einen ganzen "Schultag" und fand großen Anklang bei allen Beteiligten.
Wir vom VEN, Klöndör und BUKO danken allen Mitwirkenden und Förderern, insbesondere dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern und der Agrargemeinschaft Lübstorf, für ihre finanzielle Unterstützung. Dank auch an alle, die durch ihre Sachspenden und ihre tatkräftige Hilfe zum Gelingen des 4. Tages der Kulturpflanze beigetragen haben. Ganz besonderer Dank an das Museum Schwerin-Mueß für Bereitstellung der Räumlichkeiten und Freiflächen und für den unermüdlichen Einsatz von Volker Janke bei der Organisation und Durchführung der Veranstaltung. Außerdem danke ich allen VEN-Mitgliedern die mit Ihren Ständen am Mitwirken dieser gelungenen Veranstaltung beteiligt waren.
