7. Tag der Kulturpflanze (2004)

Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands war in diesem Jahr Schauplatz des 7. Tages der Kulturpflanze.
Birgit Fleischer, Mitglied im VEN und regelmäßiger Gast an den vergangenen Tagen der Kulturpflanze übernahm die Organisation der Veranstaltung vor Ort. 
Schnell wurde beschlossen, die Veranstaltung beim Fortbildungszentrum für Denkmalpflege mit Sitz im Waidhaus stattfinden zu lassen.

Das Waidhaus bot Platz für Aussstellungen und Vorträge, vor dem Gebäude auf dem Platz an der Petrikirche konnte der Markt der Vielfalt aufgebaut werden. Nicht nur diese Fortbildungsstätte, sondern auch die Stadt Görlitz boten uns breite Unterstützung an. Die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernahm das Kulturamt der Stadt, zudem gab es finanzielle Unterstützung für das kulturelle Rahmenprogramm von Seiten der Stadt. 
Maßgeblich wurde die Veranstaltung vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft gefördert.
Allen Sponsoren und Gönnern unseren Herzlichen Dank!

Frau Angela Rabin vom Kulturamt der Stadt Görlitz sprach am Samstag, den 25.9. die Eröffnungsworte. Sie begann ihren kleinen Vortrag mit einem kleinen Ausflug zu den ethymologischen Wurzeln des Wortens Kultur und schlug so eine Brücke zwischen den heutigen Kulturschaffenden und Kulturhütern der Stadt (die Stadt bewirbt sich als Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2010) und unserem Bewahren des kulturellen Erbes im ursprünglichen Sinne. Der Markt und die Ausstellungen waren eröffnet. Die Vorträge konnten beginnen.

Etwa 1000 Gäste besuchten unser zweitägiges Fest der Vielfalt. 
Leider trübte der Regen etwas das Geschehen und lockte nur die wirklich Interessierten aus den Häusern. Wer sich dennoch aufmachte, der hatte reichlich Gelegenheit Vielfalt zu sehen, zu riechen, zu schmecken und Informationen nach Hause zutragen.

Wie in jedem Jahr stand das Gemüse des Jahres, diesmal die Körnerbohne, im Mittelpunkt unserer eigenen Vorbereitungen. Eine große Kernesammlung, zusammengestellt vom VEN und der Uni Kassel-Witzenhausen - und Plakate mit Hintergrundinformationen zur Bohne, die vom Fachbereich Agrarbiodiversiät der Uni Kassel-Witzenhausen erarbeitet wurden, ließen die Besucher staunen.  
So mancher dort ausgestellte alte Schatz konnte anschließend auch in Form einer Saatgutportion vom VEN-Stand nach Hause getragen werden.

Ein weiterer Stand mit Informationen und Beratung zu Bohnenkrankheiten ergänzte das Thema Bohnen. Eingeladen war das Institut für Resistenzforschung und Pathogendiagnostik der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAfZ), diese Aufgabe zu übernehmen.
Mit den zusätzlichen Qualitäten eines herrlichen Duftes ausgestattet, präsentierte das Institut für Obstzüchtung der BAfZ eine Ausstellung alter und neuer Obstsorten.
Der Duft regte zum Verweilen in dem Ausstellungsraum an, und es wurden zwischen den Besuchern auch uintereinander Erinnerungen und Erfahrungen ausgegetauscht.

Färbepflanzen. insbesondere den Waid als Repräsentant einer Gruppe alter Nutzpflanzen, betrachteten wir als eine Art Brücke zwischen VEN und dem Veranstaltungsort, dem Waidhaus. Gleich mehrfach wurde das Thema denn auch aufgegriffen. Der VEN brachte seine eigene Färbepflanzenausstellung mit und baute sie neben der kleinen Färbewerkstatt auf, mit der sich die Leute von der Fortbildungsstätte der Denkmalpflege in ihrem historischen Gebäude, dem Waidhaus, präsentierten.

Auch am Stand des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft wurde die Färberei mit Pflanzen thematisiert, aber auch Bohnen und Kartoffeln wurden gezeigt, geerntet mit Lausitzer Kindern auf dem Acker des Biosphärenreservates.  
Die Besucher fanden Gefallen an den vielen bunten Farbproben der Ausstellung und den vorgeführten Färbetechniken und wir hoffen, dass so mancher eine Anregung für's eigene Experimentieren mit Farben und Materialien mit nach Hause tragen konnte.

Das Vortragsprogramm war ebenfalls sehr vielgestaltig und erstreckte sich über die beiden Tage der Veranstaltung. Im einzelnen wurden folgende Vorträge geboten:

  • Dr. habil. Dieter Krausch: Alte Nutz- und Zierpflanzen in der Niederlausitz
  • Dr. Thomas Gladis: Die Trocken- oder Körnerbohnen - Von den Wanderungen und den Wandlungen der Kulturpflanzen
  • Dipl.-Ing. Peter Gläser: Ackerwildkrautprojekt im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
  • Dipl.-Hist. Peter Wenzel: Zur Wirtschafts- und Sozialstruktur der Stadt Görlitz im 15./16. Jahrhundert
  • Petr Dostálek: Die Arbeit des Vereins Gengel o.p.s - Tschechische Republik
  • Dipl.-Biol. Indra Ottich: Pflanzenfärberei im Mittelalter - Vortrag mit Beispielen aus 
    der experimentellen Archäologie mit eigener Färbepflanzenausstellung
  • Ursula Reinhard: VEN - Ziele, Aufgaben und Projekte
  • Rüdiger Stegemann: Gentechnik in aller Munde - Gefahren der Gentechnik für Verbraucher und Saatgutvermehrer
  • Ludwig Watschong: Aus der Arbeit von Dreschflegel - Bohnen in Küche und Garten - Diavortrag
  • Dr. Monika Höfer: Alte Obstsorten - heute genutzt
  • Prof. em. Werner Hempel: Unsere Eiweißpflanzen: Bohnen, Erbsen, Linsen

Zum Abschluss der Vortäge von Thomas Gladis und Prof. Hempel überraschte der Köche Club Görlitz e. V. die Zuhörer mit vielfältigen Bohnengerichten zum Probieren, die eigens für die Veranstaltung kreiert wurden.

Das Interesse an den Vorträgen war recht groß, der kleine Vortragsraum meist gut besetzt, nur die Bemühung, manche der Vorträge auch ins Polnische zu übersetzen, wurde nicht angenommen. Woran es gelegen haben mag, darüber kann nur spekuliert werden. 
Einige der Vorträge finden Sie in unserem im Januar 2005 erschienen Samensurium.

Der Markt der Vielfalt machte seinem Namen alle Ehre. Info- und Saatgutstände, Verkaufsstände von Biolandwirten und Gärtnereien sowie Handwerkern aus der Region, Museen und Stände für die Gaumenfreude reihten sich in bunter Vielfalt aneinander. Für eine gute Atmosphäre und Stimmung sorgten die Folkgruppe Holterdipolka und die tschechische Musikgruppe Hanužova Musika mit Folklore aus Südmähren und der Slowakei.

Neben Aktionen an den Ständen gab es für Kinder Bohnenmärchen aus aller Welt und das in der Region bereits sehr beliebte und bekannte Puppentheaterstück „Ilse will, was Nils nicht will“. Es begeisterte nicht nur die Kleinen sonderen auch die großen Zuschauer. Eine der beiden Aufführungen dieses Stückes wurde vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft gesponsert. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Den größten Dank möchten wir jedoch Birgit Fleischer aussprechen, die sich unermüdlich vom Beginn des Jahres an für das Gelingen des 7. Tages der Kulturpflanze einsetzte und so manches Wochende und viele Feierabende dafür opferte. Die Veranstaltung war sehr gelungen und wirkt hoffentlich in vielen Köpfen und Herzen nach.