Dieses Jahr fand der ‚Tag der Kulturpflanze’ in Rinteln an der Weser statt, im Bundesland Niedersachsen. Wir waren dort eingegliedert in den zum 9. Mal stattfindenden „Ökomarkt“. Die Besucher erwartete ein buntes Programm mit der großen Wanderausstellung der Universität Kassel-Witzenhausen und des VEN ‚Kürbis, Kiwano & Co.’ in der Sparkasse, einem Vortragsprogramm im Ratskeller und Ständen mit Saatgut, Pflanzen und Information rund um alte Sorten. Die Vielfalt durfte natürlich auch gegessen werden, denn auch geschmacklich sollte sie überzeugen.
Nach acht Jahren ist der ‚Tag der Kulturpflanze’ zu einem feststehenden Begriff und einer begehrten Veranstaltung geworden, nicht nur für Besucher. Sowohl Städte wie auch Institutionen bemühen sich, die Veranstaltung an ihren eigenen Standort zu holen. Herr Pleitner, der leitende Organisator der Märkte und Messen in Rinteln, wurde 2003 beim Kartoffeltag im Maximilianpark in Hamm auf den VEN aufmerksam und hat uns nach Rinteln eingeladen. In Rinteln findet seit 9 Jahren am zweiten Wochenende im September ein „Ökomarkt“ statt. Unter diesem Titel bieten direktvermarktende Ökobetriebe ihre Produkte aus Landwirtschaft, Gartenbau und Imkerei an. Ortsansässige Vereine ergänzen den Markt: die „Ackerbürger“ zeigen alte Landmaschinen, Landfrauen demonstrieren das Spinnen von Wolle, Jägerschaft, NABU und Greenpeace informieren über Naturthemen. Die Betriebe bringen ihre tierischen Erzeuger mit, so daß der Markt für Familien mit Kindern immer einen Besuch wert ist. Kaninchen, Schafe, und sogar Highland-Rinder dürfen gestreichelt werden. Wer zum Ökomarkt kommt, interessiert sich grundsätzlich für das Thema Ökologie, so daß unser Thema Gemüsevielfalt in Rinteln auf offene Ohren stieß.
Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit lag dieses Jahr bei einer Pflanze, deren wilde Verwandte, die Wegwarte, man auch im Weserbergland findet und die im September gerade noch ihre letzten blauen Blüten zeigte: Die aus dieser Pflanze hervorgegangenen Kulturformen, die Zichorien und die nah verwandten Endivien sind das „Gemüse des Jahres 2005“. Besonderer Anziehungspunkt war daher auch der Stand der Universität Kassel-Witzenhausen. Dort gab es Zichorien und Endivien zum Besichtigen und zum Probieren, eine Ausstellung von Produkten aus Zichorien und eine Informationsausstellung zum Gemüse des Jahres, zusammengestellt vom FB 11 der Uni-Witzenhausen und des VEN . Der Infostand des VEN als zentraler Anlaufpunkt war direkt nebenan vor dem Ratskeller in dem die Vorträge stattfanden. Der Samstag begann mit der Eröffnung der Kürbisausstellung in der Sparkasse durch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz. Danach sprach der Vorsitzende des Vereins Schaumburger Landschaft, Staatssekretär a. D. Dr. Klaus-Henning Lemme und unsere erste Vorsitzende Ursula Reinhard zu den Gästen im Foyer. Ein gemeinsamer Marktrundgang schloss sich an. Dies ging natürlich nicht ohne Probieren der zahlreichen angebotenen Spezialitäten von Kürbisbrot, Kartoffelwaffeln, Schafsbratwurst und Gemüse aus Bio-Anbau. 75 Aussteller informierten über ihre Erzeugnisse, 10 Aussteller konnten vom VEN dazu geworben werden, die uns schon auf vielen Kulturpflanzentagen begleitet haben. Im Hotel „Stadt Kassel“ gab es abschließend ein Bio-Menü aus regionalen Erzeugnissen, natürlich auch mit Chicoreegemüse.
Die acht Vorträge am Samstag und Sonntag griffen das Schwerpunktthema Zichorie ebenfalls auf. So konnte man z. B. in dem Vortrag von Dr. Thomas Gladis die Formenvielfalt der Zichorien kennen lernen und Claus Möller berichtet über die Kaffeezichorienproduktion im Raum Parchim. Zichorienkaffee konnte man danach gleich bei den Landfrauen Schaumburg probieren. Sie servierten einen traditionellen Kaffee, der aus verschiedensten Kaffeeersatzstoffen nach altem Rezept noch heute hergestellt wird und zum Großteil aus gerösteten und gemahlenen Zichorien-Wurzeln besteht. Er sah ebenso schwarz aus wie Bohnenkaffee, schmeckte aber malziger, was manchen Besuchern erst nach dem ersten Schluck auffiel. Ein Angebot an Vorträgen war für die Besucher des Marktes neu. Entsprechend schwierig war es, die Besucher aus der Eisdiele in den Ratskeller zu locken. Die meisten Vorträge waren leider gering besucht. An den interessanten Themen lag es sicher nicht. Erhard Bachmann als ortsansässiger Redner berichtete in seinem Vortrag über alte Obstsorten an der Weser. Allein dieser Vortrag fand reges Interesse. Alle Vorträge können wie immer im hinteren Teil des entsprechenden „Samensuriums“ nachgelesen werden.
Der 8. Tag der Kulturpflanze in Zusammenhang mit dem 9. Ökomarkt wurde in der regionalen Presse mehrmals angekündigt. Am Wochenende gab es eine Sonderbeilage in den beiden ortsansässigen Tageszeitungen. Das Wetter spielte mit, der Samstag war herbstlich warm und sonnig, nur am Sonntag war es etwas trübe und kühler. Der VEN-Infostand war schon ab 10.00 Uhr bei Öffnung des Marktes ständig besucht, oft haben drei Betreuer gleichzeitig Gespräche geführt und diskutiert. Es bestand nicht nur Interesse für das mitgebrachte Saatgut, auch für die dargestellten Probleme fand sich bei dem Rintelner Publikum ein offenes Ohr. Einige füllten spontan eine Beitrittserklärung aus, so daß wir dort neue Mitglieder gewonnen haben. Herr Pleitner von der Stadt Rinteln und sein Mitarbeiter Daniel Jakschik waren an beiden Tagen auf den Beinen um auf dem Markt nach dem Rechten zu sehen. Sie haben uns von den ersten Gesprächen an rundherum betreut, die Veranstaltung geplant und umgesetzt. Dafür herzlichen Dank! Besonders aber für die große tatkräftige und finanzielle Unterstützung durch die Stadt Rinteln beim Layouten, sowie bei dem Druck und Versand von Handzetteln, Flyern und Plakaten. Das Bundesamt Für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) hat den Tag der Kulturpflanze finanziell gefördert. Wir bedanken uns für die gewährte finanzielle Unterstützung. Allen Standbetreuern, die aus der Region oder von weit angereist waren, am Samstag und Sonntag am Stand Rede und Antwort gestanden haben, danke ich für ihre Unterstützung. Ohne diese aktiven Mitglieder ist die Organisation und Durchführung eines solchen Festes nicht möglich. Ich hoffe, daß wir auch beim nächsten „Tag der Kulturpflanze“ auf solche Helfer zählen können.
