Chicorée „Tardivo“

Botanischer Name: 
Cichorium intybus var. foliosum

Die Urpflanze des Chicorée ist die Wegwarte (Cichorium intybus). Bereits im 16. Jahrhundert gab es eine Gartenform der Wegwarte. So berichtet Camerarius (1586) über die Gartenwegwart und Tabernaemontanus (1664) über die Zahme Wegwarten, Cichorii sativi, „deren Blätter weniger tief gespalten seien und zur Speise lieblicher als bei der wilden Wegwarte“. Sie spielte aber im Vergleich zum Endiviensalat im 16.-18. Jahrhundert keine große Rolle. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Wurzel dieser zahmen Gartenwegwarte kultiviert (Wurzelzichorie) und in geröstetem Zustand als Kaffee-Getränk verwendet.

Um 1830 ist der Chicorée im Gebiet von Brüssel als „Brüsseler Witloof“ aufgekommen. Vermutlich hat man bemerkt, dass eingeschlagene Wurzeln der Wurzelzichorie über den Winter schöne Köpfchen trieben, die als willkommener, gesunder und etwas bitterer Wintersalat zu verwenden waren. Zunächst wurden die Wurzeln mit Erde zum Treiben abgedeckt. Später gab es Züchtungen (z. B. Tardivo), die das nicht mehr nötig haben.

Anbau: 

Gedeiht gut auf sonnigen bis halbschattigen Standorten. Der Boden sollte tiefgründig und gut mit Kompost versorgt sein.

Gesät wird im Mai direkt ins Freiland mit einem Reihenabstand von 25 bis 30 cm. Die einzelnen Pflänzchen sollten dann auf mindestens 10 cm in der Reihe verzogen werden.

Ende Oktober/Anfang November werden die Wurzeln ausgegraben. Das Laub pflücke ich bis auf das Herz (etwa 3 cm lang) ab und pflanze die Wurzeln ebenerdig mit den kurzen Blättern in 20-Liter-Pflanzkübel. Als Erde verwende ich frischen, lebenden Kompost aus meinem Garten. Der Kübel wird dann in einen dunklen kalten Keller gestellt und bei Bedarf zum schnellen Treiben ins warme Haus in eine dunkle Ecke gestellt.

Ernte: 

Die schmalen Köpfchen werden bei 10-30 cm Länge geschnitten. Der Chicorée liefert nach der ersten Ernte auch noch eine zweite und sogar eine kleine dritte Ernte, wenn man die Blätter nicht zu tief abschneidet. Das Gießen aber bitte nicht vergessen!
In der Literatur kann man dagegen lesen, dass das Laub 5 cm über der Wurzel abgeschnitten wird und die Wurzeln dann kühl und feucht gelagert werden. Zum Treiben werden sie im Dezember bei 12 - 16 °C in feuchten Sand gepflanzt. Bei dieser Behandlung faulte bei mir das Laub und auch ein Teil der Wurzeln, so dass die Ernte nur sehr mäßig ausfiel.

Vermehrung: 

Der Chicorée ist zweijährig, blüht also erst im zweiten Jahr.

Zur Gewinnung von Saatgut lässt man ein paar der Wurzeln im Garten stehen. Die Wurzeln sind winterhart, werden aber auch von Wühlmäusen gerne gefressen.

Je nach Bodengüte werden die Pflanzen bis über 2 m hoch und tragen unermüdlich, jeden Tag aufs neue zahlreiche blauen Wegwartenblüten. Im Oktober werden die Samen tragenden Zweige abgeschnitten und kopfüber in trockene Eimer gestellt. Diese Eimer stellt man nun zum Trocknen warm (am besten neben einen Kachelofen). Danach werden die Samenstände abgerubbelt und der Samen vor allem durch Windsichten gereinigt.

Nutzung: 

Der Chicorée ist als bitterer Salat oder Gemüse sehr gesund. Nach Dr. Peter D’Adamo, so man ihm Glauben schenken möchte, ist er vor allem für die Menschen mit Blutgruppe 0 und A sehr bekömmlich. Für die Blutgruppen B und AB hat er die Bewertung „neutral“.