Umweltorganisationen fordern rasche Planung für dauerhafte Erhaltung des Bonner Nutzpflanzenlehrgartens

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Internationaler Dachverband der Ökolandbaubewegungen (IFOAM)
Slow Food Deutschland
Deutscher Naturschutzring
Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt
BUND Kreisgruppe Bonn
Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt

Pressemitteilung 30.1.2012 

Umweltorganisationen fordern rasche Planung für dauerhafte Erhaltung des Bonner Nutzpflanzenlehrgartens

Bonn, 30.1.2012  Am vergangenen Donnerstag wurden die im vorgesehenen Weg durch den geplanten Uni Campus Poppelsdorf im Nutzpflanzengarten der Bonner Botanischen Gärten stehenden Bäume gefällt; vielerorts wurde durch den Kahlschlag Empörung ausgelöst. Zusagen, dass der Weg frühestens 2014 gebaut würde, sind damit von der Stadt Bonn, dem landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) und der Universität, die sich regelmäßig über die Campusplanung abstimmen, entwertet worden.

Gegen diese Planung haben bereits über 2000 Menschen aus mehr als 50 Ländern protestiert und eine andere Wegeführung mit dem Ziel der Verschonung der ältesten und größten derartigen Einrichtung in Deutschland gefordert. Darunter sind auch zwei Träger des Alternativen Nobelpreises, Pat Mooney und Vandana Shiva. Sie warnen seit den 1980er Jahren vor dem dramatischen Verlust der Nutzpflanzenvielfalt und der Privatisierung des Saatgutes und des Wissens darüber. Die UN-Konvention über Biologische Vielfalt richtet derzeit ähnlich dem Weltklimarat IPCC den Welt-Biodiversitätsrat IPBES ein; die Stadt Bonn bewirbt sich um sein Sekretariat. Schon bald soll in Bonn der Globale Fonds für Nutzpflanzenvielfalt etabliert werden.

Das Vorgehen von Stadt, BLB und Universität erscheint einer Reihe von Umweltorganisationen daher als Doppelmoral. Der in Bonn ansässige Internationale Dachverband der Ökolandbaubewegungen IFOAM, Slow Food Deutschland, der Deutsche Naturschutzring, der Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt, die BUND Kreisgruppe Bonn und der bundesweit tätige Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt fordern die umgehende Aufstellung des Bebauungsplanes mit Festschreibung der erweiterten Nutzpflanzengartenfläche, da ohne Planvorschriften die Universität und der BLB weiterhin nahezu freie Hand bei der Bebauung hätten.

Der Nutzpflanzenlehrgarten war von namhaften Wissenschaftlern über mehr als hundertfünfzig Jahre aufgebaut worden und erfüllt seit Gründung der Landwirtschaftlichen Lehranstalt 1847 eine wichtige Funktion in der Bildung nicht nur der Studierenden, sondern auch der Öffentlichkeit. Die Universität hatte Anfang Dezember eine Erweiterung des Nutzpflanzengartens angekündigt. Allerdings scheint sie wie auch der BLB den Garten nur als Zwischennutzung für eine spätere Bebauung zu betrachten. Beide stimmen einer Festschreibung der neuen Fläche im Bebauungsplan für den Uni Campus Poppelsdorf nicht zu. Durch Hinauszögern des Bebauungsplanes spielt die Stadt mit ihrer Planungshoheit nun dem landeseigenen BLB als Bauherrn und der Universität als Mieterin der geplanten Gebäude in die Hände.

Der Nutzpflanzenlehrgarten wird dauerhaft für Forschung, Lehre sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit benötigt; daher muss der Bebauungsplan mit entsprechenden Grünflächen jetzt zügig dem Stadtrat und der Öffentlichkeit vorgelegt werden.

Weitere Informationen: Dr. Susanne Gura, VEN, Tel: 0228 9480670, gura@dinse.net

Vor dem 26. Januar 2012

Baumfällung am 26. Januar 2012

 

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Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt
Internationaler Dachverband der Ökolandbaubewegungen IFOAM
Slow Food Deutschland
Deutscher Naturschutzring
Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt
BUND Kreisgruppe Bonn

Press Release January 30, 2012 

Environmental organisations demand land security for Germany’s largest and oldest crop diversity garden in Bonn

Bonn, January 30th, 2012 

German environmental organisations have protested against plans to destroy the agricultural biodiversity garden that belongs to Bonn Botanical Gardens in order to build a new University Campus at Bonn Poppelsdorf. In spite of commitments to postpone the building of a cycle lane through the garden, major trees were felled last Thursday to prepare the lane building. The postponement until 2014 would have provided enough time to rethink the development of the new Campus without harming the oldest and largest garden of this kind in Germany.

Over 2000 people form 50 countries, including many local residents, students and alumni, have demanded to change the plans and save the garden. They have been joined by two Right Livelihood Awardees, Pat Mooney and Vandana Shiva. They are warning since the 1980ies that agricultural biodiversity is being lost, while genetic resources and the related knowledge are being privatized. Such centrally located agricultural biodiversity gardens are essential for public awareness building and teaching. Cultured plant varieties need people who know how to grow, multiply and use them in order to survive and adapt to ever changing challenges.

The UN Convention on Biodiversity is currently establishing the Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), and the City of Bonn is competing to host its secretariat. Also, the Global Crop Diversity Trust secretariat will move to Bonn in 2012.

The environmental organisations deplore double standards of the City as well as the University and the Federal State of North-Rhine Westfalia as the land owner. All three collaborate closely in the Campus planning. A plan to enlarge the garden was published last December; however, the cycle lane was not shifted. No legal provisions have been made to secure the enlargement in the long term. This way, the garden can any time be replaced by buildings. The environmental organisations therefore demand an urgent finalisation of the city’s building plan in order to secure the garden land in the long term.

Ever since Bonn agricultural academic learning was established in 1847, reknowned scientists have collected and displayed a large number of varieties; they protected them even during two World Wars. Germany’s leading textbook on agricultural plant science was written on the basis of these collections. A large piece of the garden land was seized by city planners in the 1980ies, and a biotechnology institute was built. The University has closed down agricultural botany science, and organic agriculture science is threatened by the same fate.

For further information: Susanne Gura, VEN, ph: 0049 228 9480670, gura@dinse.net