Von Ochsenherzen und grünen Zebras – Themenstunde/Sortenausstellung zur Tomate

Ort: 
Tropengewächshaus der Universität Kassel-Witzenhausen; Steinstr. 19; Eintritt 5 €
Zeitraum: 
29. August 2010 - 14:00 - 16:00
Kontakt: 
Ursula Reinhard- 05306-1402; ven.nutz@gmx.de

Presseerklärung:

Was Tomaten und Kürbisse gemeinsam haben? Beide sind Beeren, so unglaublich das klingt. Beide kommen aus Südamerika, beide haben eine unglaubliche Fülle an Sorten hervorgebracht – und beide sind aus unserer Küche und unseren Hausgärten kaum noch wegzudenken! Mehr als 50 Tomatensorten für den Hausgarten können Interessierte am Sonntag, 29.August um 14 Uhr im Tropengewächshaus der Universität Kassel/Witzenhausen kennen lernen. Tipps zum Anbau und zur Verwertung gibt Ursula Reinhard vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN). Zudem erläutert Rainer Wedemayer aus dem Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz die Forschungsbeiträge der Universität Kassel zur Resistenzzüchtung und wie die berüchtigte Kraut- und Knollenfäule „funktioniert“. Zum Abschluss findet eine Verkostung der Sortenvielfalt statt.

Die Tomate (Lycopersicon esculentum MILL.) hat als eines der feinsten Fruchtgemüse die Welt erobert. Sie bereichert Sorte für Sorte, ob pur genossen oder in zubereiteter Form, den Speisezettel. Bei ihrer Beliebtheit ist es nicht verwunderlich, dass sie den Weg aus der neuen Welt in Südamerika in alle Welt gefunden hat, sich überall Gärtnerinnen und Gärtner als Züchter dieser begehrten Frucht annahmen und so eine schier unermessliche Vielfalt hervorbrachten. Man spricht von 10.000 und mehr Sorten! Salattomaten, Saucentomaten, Fleischtomaten, Cocktailtomaten, Fülltomaten… : die Vielfalt des Sortenspektrums versetzt auch die Sammler immer wieder in Erstaunen. Die Farbpalette der Früchte reicht von rot über gelb und orange bis zu violett, braun und fast schwarz. Ebenso gibt es grüne, weiße oder auch zweifarbig geflammte Sorten. Auch das Aroma ist deutlich unterschiedlich und reicht von ausgeprägt süß bis zu eher säuerlich, doch stets mit einer Note des typischen Tomatengeschmacks. Das Fruchtfleisch mancher Sorten ist eher mehlig und deshalb gut zum Verkochen in Suppen oder Saucen, besonders schnittfeste eignen sich als Salattomate. Oder möchten Sie eine der hohlfrüchtigen Sorten zum Füllen kennen lernen? Nichts ist unmöglich!

Die für den Weltmarkt produzierten, ertragreichen und transportfähigen Tomatensorten sind meist rund und rot. Die anderen, verschiedenfarbigen, gefurchten oder spitz-früchtigen, geschmacksvariablen Liebhabersorten führen oft nur ein Schattendasein und sind nur schwer zu finden. Damit diese Schätze nicht verschwinden, bemüht sich der VEN um den Erhalt und die Nutzung zahlreicher wieder- und neu entdeckter samenfester Sorten.

Die Frühgeschichte der Tomate ist sehr verwickelt. Sicher scheint nur, daß ihre Urform aus Südamerika kommt, und daß sie in Mexiko zur Kulturpflanze wurde. Mit den Seefahrern gelangte sie nach Europa und weckte hier als fremdartige Neuheit und Kuriosität das Interesse der Botaniker. Wegen des strengen und ungewöhnlichen Geruchs der grünen Teile galt sie in Mitteleuropa lange als ungenießbar und sogar giftig. Davon zeugt noch heute der Gattungsname Lycopersicon (dt. Wolfspfirsich). Der Artname mildert jedoch die Gefährlichkeit wieder ab und preist die Frucht als esculentus = eßbar an. Sie gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).

Für Italien gibt es bereits im 16. Jahrhundert erste Zeugnisse für eine Nutzung in der Küche, doch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielt sie Einzug in die deutschen Gemüsegärten. Mit Sorten wie "König Humbert" oder "Purpurviolette Ponderosa", wurden Tomaten zu einem geschätzen Genuss. Gesteigert wurde ihre Beliebtheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch "Lukullus", als Sorte, "die ein vorzügliches Mark ergibt, aber auch roh von gutem Geschmack ist und einen riesigen Ertrag erbringt". Ein weiteres Bespiel für eine alte Tomatensorte ist die gelbfrüchtige "Goldene Königin". Sie ist seit etwa 1884 im Handel und noch heute zugelassen.

Doch viele dieser sehr alten, ehemals in Deutschland zugelassenen Sorten sind trotz langjähriger Suche wahrscheinlich unwiederbringlich verloren. Dies gilt auch für zahlreiche später gezüchtete Formen, die im Laufe der Jahre aus dem Angebot der Samenzüchter gestrichen wurden. Wir werden darum niemals wissen, welche speziellen Eigenschaften diese Sorten für zukünftige Zuchtziele in sich trugen.

Als Früchte des Südens lieben Tomaten Trockenheit und Wärme. Trotz großer züchterischer Anstrengung, ist es bis heute nicht gelungen, sie an andere Lebensbedingungen vollständig anzupassen. Krankheiten haben in klimatisch abweichenden Gebieten leichteres Spiel. So ist die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans), die neben der Tomate auch die Kartoffel befällt, in den regenreichen Sommern der letzten Jahre zur Plage im Freilandanbau geworden. Völlig resistente Sorten gibt es nicht, so daß der Befallsdruck ständig zunimmt. Lediglich etwa ein Dutzend der Kultursorten, vor allem aber einige kleine Wildtomatenarten zeigen eine beachtenswerte Toleranz.

Resistenzuntersuchungen bei Tomaten gegenüber dem Erreger der Kraut- und Knollenfäule Phytophtora infestans- Beitrag von Frank Wedemaier

Wer sich für die Vielfalt in bunten Bildern interessiert, dem sei folgender Link empfohlen:
http://www.tomatenatlas.de