Offener Brief: Bonner Uni-Campus Poppelsdorf gefährdet Bildung über Nutzpflanzenvielfalt

Tag der biologischen Vielfalt in Bonn 2010

[04.11.2010, Pressemitteilung] Der geplante Campus Poppelsdorf gefährdet Lehre, Forschung und Bildungsarbeit im Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten Bonn. Nach Pressemeldungen steht der Beginn der Erschließungsmaßnahmen für den 1. Bauabschnitt unmittelbar bevor.

Die Fällung eines Walnussbaums in der Mitte des Nutzpflanzengartens wurde zwar in der Baumkommission des Rates der Stadt Bonn bereits entschieden und in der Presse diskutiert. Der Garten selbst wurde jedoch in den öffentlich zugänglichen Plänen nicht ausgewiesen und von den Planern auch öffentlich nicht erwähnt, weder in der Baumkommission, noch bei einer Informationsveranstaltung am 28.10. in Poppelsdorf. In den Ausschreibungsunterlagen zum freiraumplanerischen Wettbewerb, der zur Zeit anläuft, kommt der auch gartenarchitektonisch sehr reizvolle Nutzpflanzengarten nicht vor. „Damit wird der Eindruck erweckt, als sei der Garten nicht existent. Offensichtlich soll sein Verbleib nicht öffentlich thematisiert werden.“ schreibt der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt in einem Offenen Brief an die Verantwortlichen beim Land NRW, der Stadt und der Universität Bonn.

Nicht nur Studierende der Landwirtschaftlichen Fakultät und der Botanik können sich hier die Vielfalt der Nutzpflanzenarten und –sorten bewusst machen. Vor allem auch Bürgerinnen und Bürger der ganzen Region, darunter viele Kinder, informieren und begeistern sich hier für die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt als wichtiges Kulturerbe. Dies zeigt auch das rege Interesse an öffentlichen Veranstaltungen des Nutzpflanzengartens jedes Jahr aufs Neue. „Unser bundesweit tätiger Verein nimmt alle Ausstellungstermine im Nutzpflanzengarten wahr, denn in Bonn ist das Besucherinteresse immer außergewöhnlich gross“, so Susanne Gura, Erste Vorsitzende des bundesweit tätigen Vereins. „Ohne die Menschen, die sie kennen, und sie anzubauen und zu vermehren wissen, und ohne das Bewusstsein der Verbraucher über deren Wert, kann die große Vielfalt der Nutzpflanzen nicht existieren.“

Der Verein fordert die Zuständigen auf, auch vor dem Hintergrund nationaler und internationaler Verpflichtungen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt, das bestehende einmalige Bildungsangebot des Nutzpflanzengartens zu erhalten. Bisher ist nur der erste Bauabschnitt am nordwestlichen Ende des Campus finanziert Es ist zu prüfen, ob der Versorgungsweg für diesen ersten Bauabschnitt unbedingt die Fläche des Nutzpflanzengartens beanspruchen muss. Über Möglichkeiten zur Verlegung des Gartens ist in der Öffentlichkeit nichts bekannt. Dafür infrage kommende Flächen außerhalb des Campus eignen sich nicht, den derzeitigen Standort zu ersetzen. Der Campus Poppelsdorf darf nicht die Bildung über Nutzpflanzenvielfalt und deren historische, aktuelle und zukünftige Bedeutung einschränken. Der Verein bittet daher dringend den landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW als Bauherrn sowie die Stadt und die Universität Bonn, dafür zu sorgen, dass der Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten Bonn uneingeschränkt an seinem derzeitigen Standort  erhalten bleibt.