Saat der Leidenschaft

Internationales Saatguttreffen in Périgueux, Frankreich
Internationales Saatguttreffen in Périgueux, Frankreich
Internationales Saatguttreffen in Périgueux, Frankreich

Internationales Saatguttreffen in Périgueux, Frankreich 27.-30. September

400 TeilnehmerInnen waren der Einladung des französischen Netzwerk bäuerliches Saatgut (Réseau des Semences Paysannes, RSP) nach Südfrankreich gefolgt. Kollektives Saatgutmanagement war das Hauptthema und ein reichhaltiger Erfahrungsschatz kam zusammen. In Frankreich gibt es bereits etwa 60 regionale Initiativen, und auch in vielen anderen europäischen Ländern haben sich Initiativen vernetzt. Sie tauschten Erfahrungen nicht nur über die praktische Erhaltungsarbeit aus, sondern auch über Wissensvermittlung, Kommunikation, Finanzierung und Pflanzengesundheit. Besonders besorgt diskutierten sie die Ansätze der EU-Saatgutrechtsreform, bei der sich bereits Verschärfungen abzeichnen. Wie wichtig es ist, Saatgut für den Eigenbedarfsanbau generell, nicht nur alte Sorten, von der Zulassungspflicht auszunehmen, betonten Initiativen aus dem krisengeschüttelten Mittelmeerraum. Besonders in Griechenland nimmt der private Gartenbau deutlich zu. Zum Thema Eigenbedarf konnten die Teilnehmer aus Indien, Brasilien, dem Iran und mehreren Ländern Afrikas besonders eindrücklich berichten. „Saat der Leidenschaft“ (passion) nennen brasilianische Dorfgemeinschaften ihre Sorten, denn sie gedeihen und schmecken viel besser als das industrielle Saatgut mit seinem hohen Agrochemiebedarf und den schädlichen Folgen für Böden, Wasser, Klima und Gesundheit, und sie tragen zum Zusammenhalt der Gemeinschaft bei. Erst seit sie wieder bäuerliche Sorten anbaut, könne sie ruhig, ohne Angst vor Verschuldung, schlafen, sagte eine indische Bäuerin. Ein neunjähriges Mädchen hatte unter Anleitung der seit Jahrzehnten aktiven Deccan Development Society einen Film über die Saatgutarbeit der Bäuerinnen gedreht. Zur Auswertung der Veranstaltung teilte sie ihre Freude darüber mit, dass auch in Europa so viele Menschen selbst Saatgut produzieren.