'Johannisfeuer' §

Allgemeine Angaben
Gruppe: 
Herkunft: 
Genbank
Herkunft (Detailangaben): 
IPK Gatersleben Lyc 123
Erstes Vermehrungsjahr: 
2018
Vermehrung: 
Ring-Sorte (aktiv)
Benennung: 
Handelsname
Sortenspezifische Angaben
Anzahl Fruchtkammern: 
Fleischtomate
Fruchtform: 
plattrund/breitrund
Rippung: 
stark gerippt (regelmäßig; unregelmäßig)
Fruchtgewicht: 
50 bis 200 g
Fruchtfarbe (Schale): 
rot: mittel/typisches tomatenrot
Verwendung: 
Salat-Tomate (roh)
Geschmack: 
würzig/aromatisch
Dicke (Schale): 
fest/hart/dick
Fruchtfleisch: 
schnittfest
Ernte-/Genussreife: 
mittelfrüh; ab Mitte Juli
Schale: 
glatt
Platzfestigkeit: 
platzfest
Glanz: 
glänzend
Farbe (Fruchtfleisch): 
rot: tomatenrot
Blattform: 
fiederblättrig
Doppeltraube (verzweigte Hauptachse)
Anzahl der Früchte pro Traube: 
3 Stück
Blütenaufbau: 
Narben verborgen im Innenkegel der Blüte (nicht/kaum kreuzungsgefährdet)
Wuchstyp: 
unbegrenzt wachsend (Stabtomate)
Freilandtauglichkeit: 
bedingt

Johannisfeuer kann mittlere bis gute Erträge erzielen. Die Sorte ist dankbar für einen geschützten Anbau und gute Nährstoffversorgung. Ein Anbau im Freiland ist möglich, aber die Gefahr eines geringen Ertrages steigt. Vorteil ist die Frühreife. Anbaubericht 2020
Saatguternte 2020, Keimfähigkeit: 100%

Entgegen häufiger Angaben im Internet, sind die Sorten Johannisfeuer und Ficarazzi nicht identisch! Kleine morphologische Unterschiede hat bereits Lehmann 1955 beschrieben. Genanalysen der Uni Gießen (2019) belegen auch Unterschiede.

Ende der 1890er Jahre wurde eine Tomatenpflanze mit mäßigem Wuchs, verhältnismäßig schwacher Belaubung und hohem Ertrag in Geisenheim gefunden. Diese zeichnete sich durch einen sehr frühen Ernteeintritt aus, Mitte Juli. Für die damalige Zeit eine hervorragende Eigenschaft. In den Folgejahren wurde dieser Genotyp züchterisch bearbeitet und als "Geisenheimer frühe" bezeichnet. 1902 wurde auf eine Ähnlichkeit zu "Ficarazzi" hingewiesen, von der sie auch abzustammen schien. 1904 wird die Sorte erstmals als "Geisenheimer Frühtomate" bezeichnet. 
In der Zwischenzeit hatte ein nicht benannter Saatguthändler eine Sorte "Johannisfeuer" als "verbesserte Geisenheimer Frühtomate" auf den Markt gebracht. Die neue Sorte sollte kaum noch Rippung aufweisen. In einem groß angelegten Versuch von jeweils 500 Pflanzen mit Originalsaatgut wurden "Johannisfeuer" und "Geisenheimer Frühtomate" verglichen. Das Ergebnis war niederschmetternd für die "Johannisfeuer", es wurden keinerlei Unterschiede festgestellt, auch die Rippung war noch vorhanden. Also ein Plagiat. 
1908 wurde durch die Geisenheimer Züchter die echte "verbesserte Geisenheimer Frühtomate" auf den Markt gebracht. Sie zeichnete sich durch gleichmäßig runde Früchte aus, Rippung war unbedeutend. 
Wir können also feststellen, die "Geisenheimer Frühtomate" lebt auch jetzt als "Johannisfeuer" weiter. Als staatliche Einrichtung machten die Geisenheimer Züchter nur wenig Werbung für ihre Sorte, für den Saatguthändler war das allerdings mit seiner "Johannisfeuer" notwendig. Er musste damit sein Geld verdienen. Danken wir dem Händler für das Plagiat. Die Sorte "verbesserte Geisenheimer Frühtomate" muss als verschollen gelten. 
Quelle: Jahresberichte 1899 - 1913 der Königlichen Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau Geisenheim