Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V.

Die zunehmende Verbreitung von Hybridsorten, Entwicklungen auf dem Gebiet der Grünen Gentechnik, Patentanträge auf gentechnisch veränderte sowie neuerdings auch auf konventionelle Pflanzen, fortschreitende Monopolisierung auf dem Saatgutmarkt und eine restriktive Saatgutgesetzgebung bedrohen zunehmend die Vielfalt unserer Nutzpflanzen.

Schwerpunkt alte Gemüsesorten

Um diesen Gefahren zu begegnen, wurde 1986 auf Initiative von Ludwig Watschong der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. gegründet. Zehn Jahre lang leitete er den Verein, begab sich auf die Suche nach alten Sorten und fast vergessenen oder neu zu entdeckenden Arten für Nahrungszwecke. In dieser Zeit erlebten Kräuter eine allgemeine Renaissance, der VEN legte darum den Schwerpunkt seiner Erhaltungsarbeit auf die alten Gemüsesorten und begann einige züchterisch vernachlässigte Arten weiter zu entwickeln.
Mit Ursula Reinhard als langjährige Vorsitzende entwickelten sich Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederzahlen. 1998 wurde der Tag der Kulturpflanze etabliert; seit 1999 fällt die Aufmerksamkeit der Presse auf das jeweilige Gemüse des Jahres und seit dem Jahr 2000 werden alljährlich Saatgut-Seminare durchgeführt. Die Mitgliederzahl stieg bisher auf etwa 650 (Stand 01/12) und die Saatgutliste wuchs von einigen Dutzend auf mehrere Tausend Einträge.

Der VEN e.V. ist ein bundesweiter Verein und arbeitet ehrenamtlich.

Praktische Erhaltungsarbeit

Viele unserer Mitglieder sind als sogenannte Sortenpfleger aktiv am Erhalt von alten Sorten und Arten unserer Kulturpflanzen engagiert. Sie vermehren Sorten und Arten ihrer Wahl in ihren eigenen Gärten. Dazu braucht es keine großen Flächen; auch auf kleinstem Raum kann wertvolle Erhaltungsarbeit geleistet werden. 
Konzept des VEN ist die größtmögliche Eigenständigkeit der Sortenpfleger und möglichst geringer Verwaltungsaufwand seitens des Vereins. Kerngedanke dieser dezentralen Struktur ist die langfristige Anpassung der Sorten an örtliche Klima- und Bodenverhältnisse.

Fachliche Beratung

Für Unterstützung und fachlichen Austausch sorgen das „Samensurium“, die Fachzeitschrift des Vereins, und der Kontakt der Mitglieder untereinander. Weitere Hintergrundinformationen und praktische Anleitungen für Garten, Küche und Vermehrung liefern die vom VEN herausgegeben Buchtipps.

Saatgut-Seminare

Hier wird seit einigen Jahren kompetentes Fachwissen zur Vermehrung und Saatgutgewinnung vermittelt und ausgetauscht. Angeboten werden Saatgutseminare sowohl für Anfänger, wie auch für Fortgeschrittene. Die Seminare stehen auch Nicht-Mitgliedern offen.

Saatgut-Weitergabe

Die Angebote der einzelnen Sortenpfleger werden alljährlich in der Geschäftsstelle zentral erfasst und in der Saatgutliste, einem derzeit etwa 270 Seiten umfassenden Druckwerk, veröffentlicht.
Die Weitergabe des Saatgutes erfolgt per Tausch unter den Anbietern oder, für neue Interessenten, gegen eine kleine Spende für den Anbieter (derzeit 2,00 € /Portion für unsere im Hausgarten tätigen Erhalter und 2,50 € /Portion für Anbieter zertifizierter Biobetriebe; Spenden für Pflanzgut nach Absprache).
Für die noch im Handel befindlichen alten Sorten unserer Liste besteht die Gefahr, dass auch sie von den offiziellen Sortenlisten auf Bundes- oder EU-Ebene und damit aus dem Handel verschwinden, da die Hybridsorten immer marktbeherrschender werden. Wir versuchen darum, möglichst viele der wertvollen, frei abblühenden Sorten in die Erhaltung aufzunehmen und ebenfalls unter ökologischen Bedingungen zu vermehren. Im Handel noch erhältliche Sorten sind in der Saatgutliste als solche gekennzeichnet.

Patenschaften zu Sortenerhaltung

Für wertvoll erscheinende Sorten, die von VEN-Mitgliedern nicht weiter betreut werden können und dadurch in ihrer Erhaltung gefährdet sind, und für historisch wertvolle Sorten aus den Genbanken vergeben wir Patenschaften - auch an Personen außerhalb des Vereins. Ein Verzeichnis von Sorten, für die wir PatInnen suchen, finden Sie direkt hier auf der Homepage, aber auch in gedruckter Form in unserer Saatgutliste. Verbindliche Grundlage für die Pflege einer Patensorte ist das Ausfüllen einer Patenschaftserklärung. Eine gewisse Erfahrung und Routine bei der Saatgutgewinnung ist für die Übernahme einer Patenschaft wünschenswert. Praktische Hilfe wird den Paten und Patinnen von der AG Patenschaften gewährt. Gezielte Anfragen werden gern beantwortet. Der VEN verfügt über eine gut ausgestattete vereinseigene Bibliothek.

Märkte und andere Veranstaltungen

Der VEN tritt vielerorts auf Märkten und anderen Veranstaltungen mit einem Stand in Erscheinung. Hier gibt es neben Saat- und Pflanzgut oft auch leckere Produkte, viele Informationen, und Sie können die Menschen kennen lernen, die die über Jahrtausende entwickelte Nutzpflanzenvielfalt für die Zukunft erhalten.

Politische Arbeit

Weitere Tätigkeitsfelder des VEN die Kontaktpflege zu anderen gleichgesinnten Organisationen in Europa, zu Genbanken und Universitäten und die Mitwirkung an Veranstaltungen, die unseren Zielen entsprechen. Der VEN ist aktives Mitglied der Interessengemeinschaft Gentechnikfreie Saatgutarbeit zwecks gemeinsamer Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit zu politischen Prozessen (wie z. B. die Überarbeitung relevanter EU-Richtlinien und deutscher Umsetzungsverordnungen) zusammen mit Erhalterorganisationen und biodynamischen Züchtern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mitgliederzeitschrift

Das „Blattwerk“ erhalten die Mitglieder dreimal jährlich. Es dient als Informationsforum für Vorstand, VEN-Mitglieder und andere uns nahestehende Personen und Organisationen.
In unregelmäßiger Folge erscheint unsere Mitgliederzeitschrift „Samensurium“. Sie enthält sowohl praktische Erfahrungsberichte, Pflanzenporträts und Rezepte wie auch politische Artikel, Buchbesprechungen und den aktuellen Bericht des Vorstandes und kann auch von Nichtmitgliedern einzeln oder im Abonnement bezogen werden.