Bericht vom 1.Erhalterseminar "Dem Winter trotzen sie locker" zu Winterkulturen in Hannover

Dem Winter mussten sie nicht trotzen, die Teilnehmer des 1.Erhalterseminares zu Winterkulturen in Hannover. Bei schönem Wetter genossen die Teilnehmer den Ausflug in den Gemüsegarten.

Zum ersten Erhalterseminar trafen sich am 26. und 27. März im Schulbiologiezentrum Hannover Mitglieder, Paten und Interessierte um sich über den Erhalt von Winterkulturen und die weitere Entwicklung der Patenschaftsarbeit beim VEN zu informieren und zu diskutieren.

Seit Herbst 2008 vergibt der VEN Wintersalate, seit Herbst 2009 auch Wintererbsen in Patenschaften.

Diese winterhalten Sorten wurden früher häufiger angebaut, als beheizbare Gewächshäuser und Frühsorten noch nicht so verbreitet waren. Aber auch heute haben sie noch ihre Berechtigung. Gewächshäuser zu betreiben ist teuer, unter Glas sammeln die Pflanzen vermehrt gesundheitsschädliche Nitrate. Und in Gegenden, wo der Frühling spät kommt, die Beete lange nicht betreten werden können, macht der Anbau dieser Sorten einen Sinn, weil die Pflanzen schon seit Spätherbst auf dem Beet sind. Im Herbst gesät und gepflanzt gehen die Pflanzen möglichst klein in den Winter. Hier gilt es die persönliche Kälteempfindlichkeit nicht auf die Pflanzen zu übertragen, sondern zu wissen, das Motto "Dem Winter trotzen sie locker" ist für diese Sorten Programm.

Der Austausch der Erfahrungen machte deutlich, je kleiner die Pflanzen in den Winter gehen, desto besser überstehen sie Kälte und Frost. Trotzdem wird weiterhin empfohlen an zwei Terminen im Spätsommer/ Herbst auszusäen. In Jahren mit einem langem, warmen Herbst ist es beim Salat möglich, dass er noch Köpfe bildet und dann verspeist werden muss, weil er sonst erfrieren würde. Zu früh gesäte Erbsen ergeht es ändlich., wenn sie zu hoch gewachsen sind. Hier scheint es ausreichend, dass die Erbsen vor dem ersten Frost schon gekeimt haben.

Alle Versuche die kleinen Pflanzen mit Folien, Reisern u.ä. zu schützen wirken gegenteilig. Im Gemüsegarten des Tagungsortes, dem Schulbiologiezentrum Hannover, waren im letzten Herbst zwei Wintererbsen- und vier Wintersalatsorten ausgesät, bzw. aufgepflanzt worden. Alle mit Folie und Reisern geschützten Pflanzen haben den Winter nicht überstanden. Die ungeschützte Wintererbsenpflanzen und Wintersalate waren gut über den Winter gekommen.

Im Austausch wurde deutlich, in den ersten Märztagen sind einige, gut über den Winter gekommene Wintersalate, eigegangen. Der Grund hierfür waren die extremen Temperaturunterschiede, tagsüber viel Sonne und Wärme und Nacht Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Genau wie bei Obstbäumen ist dann die Pflanze extrem belastet und einige haben dieses nicht überstanden. Aus der Geschichte ist bekannt, Wintersalate wurden früher häufig in Gräben gepflanzt. Diese bieten bei diesen Winterungsbedingungen Sonnenschutz, auch aufgestellte kleine Pappen können diese Funktion erfüllen.

Neben dem Thema Winterkulturen war die Arbeit der Paten-AG  Thema. Die in der Satzung verankerte Aufgabe wurde lange Zeit mehr nebenher gemacht. Die Erfolge waren entsprechend unterschiedlich. Seit Frühjahr 2009  gibt es eine Gruppe, die die Patenschaften betreut und das Konzept ständig weiter entwickelt.  Mit den BetreuerInnen haben Paten Ansprechpartner, die bei Fragen und Problemen, die mit dem Anbau der Patensorte entstehen, versuchen zu helfen. Paten sind engagierte Menschen, oft mit viel Erfahrung  im Gemüseanbau,  aber das Wissen über Anbau und Erhalt ist nicht immer selbstverständlich.

Deutlich wurde, wesentlich für den Erhalt ,nicht mehr im Handel befindlicher Sorten, ist die genaue Beobachtung der Paten. Auch wenn es grobe Sortenbeschreibungen gibt, bleibt es Aufgabe der Paten diese zu überprüfen und zu ergänzen. In der mehrere Jahre bestehenden Patenschaft verfeinern die Paten das Wissen um "ihre " Sorte. Da wir nur erhalten, was wir auch nutzen, betrifft dieses auch die Nutzung in der Küche.  Je feiner dieses Wissen gewonnen und aufgezeichnet wird, desto besser können weitere Paten und Erhalten die Sorten nutzen.

Die BetreuerInnen sammeln die Informationen und bereiten die weitere Vergabe der Sorten an anderen Standorten mit vor. Sie informieren Interessierte über die Aufgaben als Pate und sprechen Paten an, von denen nicht bekannt ist, ob sie erfolgreich waren.
Für diese Betreuung werden weiterhin Mitglieder gesucht, die Grundlagen im Gemüseanbau und Saatgutbau haben, aber vorallem kommunikativ sein müssen, weil sie Ansprechpartner für engagierte Partner des VENs sein sollen. Bei der Einarbeitung erhalten diese Betreuer Unterstützung durch die AG-Mitglieder.

Um auch Haus- und Kleingärtnern den Erhalt von nicht mehr im Handel befindlichen Sorten zu ermöglichen, hat sich die Gruppe dazu entschieden, sich auf die Vergabe von hauptsächlichen Selbstbefruchtern, wie Erbsen, Bohnen, Tomaten und Salaten zu beschränken. Hierbei ist kein sehr großes Wissen für Anbau und Erhalt nötig. Es ist auch keine große Anzahl an Pflanzen, große Abstände zwischen den Sorten, für den Erhalt nötig.

Für viele Paten ist die Übernahme einer Patenschaft eine spannende Angelegenheit und sie wollen schnell Saatgut an den VEN zurück geben. Es wurde verdeutlicht, Paten geben Saatgut zurück, wenn sie erfolgreich waren. Dies bedeutet, sie haben genügend Saatgut für die nächste Saison und dann noch ausreichend für Nachsaaten und zum Zurückgeben.
Das zurückgegebene Saatgut wird zentral in Schandelah gesammelt, weil von dort auch die Vergabe an weitere Paten für eine Sorte, an einem anderen Standort,  erfolgt. Die weiteren Paten werden auch mit den Informationen der ersten, erfolgreichen Paten versorgt.
Zurückgegebenes Saatgut wird auch für Werbezwecke an Interessierte und für Schaukästen auf Märkten vergeben.
Diese Offenlegung ist der Paten-AG sehr wichtig, weil es in der Vergangenheit leider nicht immer so war.  Wir bitten Paten, die in der Zeit 2005 bis 2007 Patenschaften übernommen haben, sich bei der Paten-AG zu melden, weil wir aus dieser Zeit nicht  alle Informationen erhalten haben.

Die Daten über die Paten, die Patenschaften und die vergebenen Sorten werden in einer im Aufbau befindlichen Datenbank gesammelt und regelmässig aktualisiert. In einer spannenden Diskussion wurde über Sorten, Herkünfte und Ziele des Erhaltes diskutiert. Auch wenn es interessant sein mag das "Sortenelend" , fünf unterschiedliche Herkünfte und Eigenentwicklungen von einer Sorte, zu vereinheitlichen, wurde festgestellt, dass Sortenerhalt im Sinnes des VEN auch immer Erhalt der Vielfalt, Anpassung an unterschiedliche Klima und Böden bedeuten wird.

Die ersten Paten sind erfolgreich im Erhalt der übernommenen Sorten, weitere Paten steigen ein, Informationen werden über die Sortenbeschreibung der Erstpaten an die nächsten Paten weitergegeben. Dieses geschiet bisher über die Patenbetreuer. Hier soll für die Zukunft überlegt werden, wie ein persönlicher Erfahrungsaustausch zwischen den Paten, die am Erhalt einer Sorte arbeiten ermöglicht und organisiert wird. Es wurde deutlich, es geht um Erfahrungsaustausch und nicht um den Austausch von Saatgut, damit die Anpassung an örtliche Gegebenheiten nicht unterbrochen werden. Auch wenn eingige Paten sofort bereit waren die Weitergabe ihrer Adresse an weiter Paten zu erlauben, möchten wir hierzu noch weitere Diskussionsbeiträge berücksichtigen.

Vom Erhalterseminar wird eine Dokumentation erstellt, die ausführlich über Inhalte und Diskussionen in den beiden Tagen informieren wird.

Kornelia Stock