Tag der offenen Tür im Vermehrungsgarten in Luxemburg

Über 50 Besucher waren gekommen zum Tag der offenen Tür unseres Mitglieds Steve Schwartz nach Leudelange südlich von Luxemburg Stadt. Darunter auch unsere kleine Delegation der Regionalgruppe Düsseldorf. Dicht gedrängt beginnt die Führung im Flur der Saatgutwerkstatt. Steve Schwartz begrüsst die Menschen auf Deutsch - schließlich sind die Luxemburger deutlich sprachbegabter als die deutschen Gäste. Schnell wird die Begeisterung spürbar, mit der der Gärtnermeister sein Erhaltungsprojekt für samenfeste Sorten den Menschen nahebringt - und die Professionalität, mit der er es betreibt. Links vom Flur steht die Tür zum Trockenraum offen, hinter der das frisch gewonnene Saatgut bei 27-28 Grad und laufenden Ventilatoren getrocknet wird. Rechts geht die dick gedämmte Tür zum Kühlraum ab. 600 Sorten lagern hier bei 7-8 Grad, dazu mehrere hundert Sorten in Langzeitlagerung in Tiefkühlschränken.

Nach der Einführung geht es in den Vermehrungsgarten, der ca. 400 m entfernt von der Werkstatt liegt und mehrere Tausend m² umfasst. 56 Tomatenpflanzen einer Sorte stehen in Reihe für die Selektion der besten Pflanzen. Jede Pflanze ist nummeriert und wird getrennt abgeerntet. Mehrere Jahre wird selektiert, um die Freilandtauglichkeit zu verbessern. Die meisten anderen Pflanzen stehen in Folientunneln, die Fremdbefruchter in Isolierzelten mit Solitärbienen oder Fliegen für die Bestäubung unter Ausschluss von Fremdeinkreuzungen. In dieser Saison sei alles rasend schnell gereift. Viele Pflanzen, die die Besucher sehen sollten, mussten schon vorher geerntet werden. Unterstützt wird Steve Schwartz von seiner Familie und einer kleinen Gruppe von Aktivisten, die in den Spitzenzeiten helfen.

Im kleineren Hausgarten wird später die Saatgutgewinnung gezeigt. Stolz zeigt sein kleiner Sohn, wie es bei Tomaten geht: Mit Wasser versetzt werden sie wenige Sekunden im Küchenmixer zerkleinert, das ganzen durch ein Sieb filtriert, später leicht angegoren und dann getrocknet. Für die Samenstände der nicht fruchttragenden Gemüse hat sich Steve Schwartz eine Dreschmaschine gebaut. Angetrieben von einer Bohrmaschine werden die Samenstände in wenigen Sekunden in einer Trommel gedroschen und der Samen . muss nur noch vom Spelzen getrennt werden.
Verschiedene Saatgutsiebe aus Österreich kommen zum Einsatz (die gleichen, die wir uns auch in Düsseldorf gekauft haben).

Die letzte Stufe erfolgt dann in der ebenfalls selbst gebauten Saatgutreinigungsmaschine, in der das Saatgut einem vom Staubsauger erzeugten Luftstrom entgegenfällt und schließlich weitgehend von Verunreinigungen getrennt ist.
Am Ende dürfen die Besucher noch einmal Fragen stellen. Wie er das alles finanziere: Alles erfolgt bei Steve Schwartz in ehrenamtlichem Engagement. Sein Geld verdient er im Klostergarten der Stadt Luxemburg, die er inzwischen ebenfalls überzeugen konnte, sein Saatgut dort anzubauen. Das Saatgut wird kostenlos abgegeben. Lediglich für Verpackung und Beschriftung der Tüten, die die Besucher mitnehmen dürfen, wird 1 Euro genommen. Die meisten Besucher geben natürlich mehr. Denn das ganze Projekt lebt von privaten Spenden, die die jährlichen Kosten von bis zu 30.000 EUR stemmen.

 

 

 

 

Saatgutpolitik in Europa

Unter den Besuchern war auch der luxemburgische Landwirtschaftsminister Fernand Etgen. Er nahm sich die Zeit bei der ganzen Führung dabei zu sein, interessierte sich sehr für das Erhaltungsprojekt. Erst am Ende durfte er seine Rede halten. Auf luxemburgisch dankte er für das Engagement von Steve Schwartz und kritisierte Saatgutkonzerne wie Monsanto. Das unterscheidet ihn offenkundig vom deutschen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Der hat sich ganze 5 Minuten Zeit genommen für unseren VEN-Gemeinschaftsstand mit AbL, GeN und Saatgutkampagne auf dem evangelischer Kirchentag in Berlin. Dabei war ihm offenkundig nicht ganz klar, welche Gruppen alle am Stand beteiligt waren. Angesprochen auf unsere Forderung zum Projekt "Brot in Not" zu einer Wende in der Saatgut(forschungs)politik ließ er sich in eine heftige Diskussion verwickeln. Bei einem Treffen mit Milchbauern beklagte er sich Wochen später heftig, so etwas wie beim "Stand der AbL" auf dem evangelischen Kirchentag wolle er nie wieder erleben. So werden wir wohl noch viel politische Überzeugungsarbeit leisten müssen.

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