Kein Gentechnik-Mais!

Erste NGT-Pflanze in der EU zugelassen

Quelle: Testbiotech
Die Firma Corteva (ehem. DowDuPont/Pioneer) hat zwei neue Importzulassungen für transgenen Mais erhalten. Die Pflanzen produzieren Insektengifte und sind resistent gegen ein Herbizid. Bei einer der Maispflanzen (DP915635) wurde die Gen-Schere CRISPR/Cas eingesetzt, um zusätzliche Gene ins Erbgut einzuschleusen. Es handelt sich damit um die erste EU-Zulassung für Pflanzen aus Neuer Gentechnik. Mehr dazu

 

Verkreuzungen von Genmais mit Teosinte in Spanien

Quelle: Testbiotech
26. April 2024 - Jüngsten Anlass zur Sorge bietet die Veröffentlichung von Versuchsergebnissen aus Spanien. Demnach kreuzte sich der transgene Mais dort mit Teosinte, einer verwandten, wilden Pflanzenart. Die hybriden Nachkommen dieser Pflanzen produzieren ebenfalls das Insektengift und zeigen Anzeichen für eine erhöhte Invasivität. Außerdem weisen sie im Vergleich zu Teosinte einen höheren Wuchs und eine verfrühte Blüte auf, was die Chancen für deren Ausbreitung erhöhen kann.
Das Auftreten von Teosinte wurde in Spanien zum ersten Mal 2014 beobachtet. Sie gilt als Urform des Maises und stammt ursprünglich aus Mexiko. Ihre Ausbreitung in Spanien führt bereits jetzt zu Ernteverlusten, die dort unerwünschten Pflanzen werden oft erst zum Zeitpunkt der Ernte auf dem Acker erkannt. Schon 2016 hatte Testbiotech die EU-Kommission aufgefordert, den Anbau von Gentechnik-Mais in den betroffenen Regionen zu stoppen, um eine unkontrollierte Ausbreitung der Transgene zu verhindern.
Jetzt fordert Testbiotech in einem Beitrag zur Bayer-Hauptversammlung und in einem Brief an die EU-Kommission erneut, den Anbau von Gentechnik-Mais MON810 in der EU zu beenden.  
Und es gibt weitere Gründe für diese Forderung: Jüngst zeigte sich die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA darüber besorgt, dass es in Spanien Anzeichen für Resistenzbildung bei den Insekten (Maiszünsler) gibt, die mit dem Gentechnik-Mais bekämpft werden sollen. Die EU-Anbauzulassung für den Mais war schon 2008 ausgelaufen. Seitdem kann dieser nur deswegen weiter angebaut werden, weil die EU-Kommission eine vorläufige Verlängerung gewährt hat. Während eine Anbauzulassung aber immer nur für 10 Jahre erteilt werden kann, gilt diese vorläufige Verlängerung jetzt schon rund 17 Jahre. Nach Ansicht von Testbiotech zeigt sich darin ein Versagen der EU-Kommission, die für die entsprechenden Genehmigungsverfahren zuständig ist.

 

Mexiko: Gentechnik-Mais ab 2021 verboten

In Mexiko wurde im Januar 2021 Gentechnik-Mais ab sofort, und Glyphosat ab 2025 verboten. Ziel ist, die Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität zu gewährleisten, und die Ursprungssorten des Mais und auch die traditionelle Anbauform, die Milpa, zu schützen. Damit soll auch der biokulturelle Reichtum des Landes bewahrt werden.  Die Kritik der Agroindustrie folgte auf dem Fuße, während Kleinbauernorganisationen den Schritt begrüßten. Mehr dazu: Amerika21

Peru: Gentechnik-Mais weiterhin bis 2035 verboten

In Peru wurde im Januar 2021 das seit 2011 bestehende Gentechnik-Moratorium bis 2035 verlängert. Hunderte zivilgesellschaftliche Organisationen hatten diesen Schritt gefordert. Peru ist eines der Ursprungszentren für eine Reihe von Kulturpflanzen. Mehr dazu: Amerika 21

Republik Südafrika: "Trockentoleranter" Gentechnik-Mais nicht zugelassen

Trockentoleranzen, die als Klimapflanzen versprochen wurden, funktionieren bisher nicht. In Südafrika wurde 2019 die Zulassung von trockentolerantem Gentechnik-Mais als nutzlos abgelehnt.

 

EU: Nur Mon 810 zum Anbau zugelassen, in Deutschland verboten

In der EU sind -Stand 2021- mehrere gentechnisch veränderte Maissorten als verarbeitetes Lebens- und Futtermittel und auch für den Import als lebensfähiger Organismus zugelassen. Nur der Gentechnik-Mais MON810 darf auch angebaut werden. Viele der EU-Mitgliedsstaaten, so auch Deutschland, haben den Anbau unter Verweis auf Umweltrisiken jedoch untersagt. Gentechnik-Mais wird hauptsächlich in Spanien und Portugal angebaut.
Quelle: Dossier Mais des Informationsdienst Gentechnik  https://www.keine-gentechnik.de/dossiers/mais/
 

Wofür wird bei Mais die Genschere eingesetzt?

Am weitesten in der Kommerzialisierungspipeline ist ein Wachsmais von Corteva Inc., der mit CRISPR entwickelt wurde. Freisetzungen gab es in den USA ab 2016. Wachsmais ist weltweit die erste CRISPR-Pflanze, die kommerzialisiert werden soll. Eigenschaft: Veränderte Stärkezusammensetzung für industrielle Verarbeitungszwecke. Kanada, USA, Brasilien, Argentinien und Chile haben angekündigt, daß der CRISPR-Wachsmais ohne Zulassung angebaut werden darf. Wachsmais ist allerdings Bestandteil der kleinbäuerlichen Kultur Asiens und somit nicht neu. Mehr über Corteva Inc.

Noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium sind weitere Maispflanzen mit weiteren versprochenen Eigenschaften, z.B. ein CRISPR-Mais mit Pilzresistenz; ein Mais mit verändertem Ethanolgehalt; Mais mit verschiedenen Traits wie Ertragssteigerung und Trockentoleranz; Maispflanzen mit Krankheitsresistenzen. Unklar ist hier, wann/ob es zur Kommerzialisierung kommt.

Gibt es Gene Drive bei Mais?

Theoretisch könnten Gene Drives auch bei Pflanzen eingesetzt werden. Die U.S. National Academies of Science identifizierte als eines der möglichen Ziele das Fuchsschwanzgewächs Amaranthus palmeri, das sich seit den 1990er Jahren in den USA durch den übermäßigen Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat zu einem resistenten „Super-Unkraut“ entwickelt hat. Amaranthus palmeri gehört zu den zweihäusigen Pflanzen, die entweder männliche oder weibliche Blüten ausbilden. Forscher*innen identifizierten ein Gen, das die Ausbildung weiblicher Blüten steuert. Sollte es möglich werden, dieses Gen durch einen Gene Drive auszuschalten, könnten sich nur noch männliche Pflanzen bilden und eine natürliche Vermehrung unmöglich machen.

Welche Eigenschaften haben die Gentechnik-Maissorten? 

Insektenresistenz durch Bacillus thuringiensis: Bt-Toxine werden im Ökolandbau seit den 1940er Jahren als Pflanzenschutzmittel gegen Schmetterlingsraupen eingesetzt. Wie bei anderen Pflanzenschutzmitteln können nach mehr oder weniger langem Gebrauch die Zielorganismen Resistenzen entwickeln. Gegenüber Bt-Toxinen wurde dies zuerst Ende der 1980er Jahre bei der Kohlschabe beobachtet. Dennoch wurde das Bt-Toxin als einer ersten Gentechnik-Anwendungen ab 1996 in Mais und Baumwolle verwendet. Durch die ständige Anwesenheit des Toxins in der Pflanze werden Resistenzen bei den Schädlingen beschleunigt und die sporadische Nutzung des Bt im Ökolandbau infrage gestellt. Gentechnik-Pflanzen müssen schon seit Jahren mit mehreren Bt-Toxingenen ausgerüstet werden. Die Industrie versucht diese Entwicklung vor allem durch sogenannte Stacked Events, die zum Beispiel mehrere Bt-Gifte bilden, in den Griff zu bekommen. Schon 2014 hat Monsanto den SmartStax-Mais entwickelt, der sechs verschiedene Bt-Toxine produziert. Quelle: Testbiotech e.V.   

Gentransfer vom Mais zum Reis?

Seit 2008 werden Forschungsprojekte finanziert, u.a. von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, mit dem Ziel, Reis mit  Mais-Genen zu verändern. Mit den C4-Genen des Mais soll die Effizienz der Photosynthese um 50% verbessert und die Wassernutzungseffizienz  verdoppelt werden. Mehr dazu:  C4- Was ist das?

Gentechnik-Reis, auch C4-Reis,  wird von asiatischen zivilgesellschaftlichen Organisationen wie MASIPAG abgelehnt Quelle: https://www.theguardian.com/global-development/2014/apr/08/philippine-experts-divided-climate-change-action).

MASIPAG, ein Zusammenschluss von LandwirtInnen und WissenschaftlerInnen, bietet erfolgreich seit langem nachhaltige Lösungen mit angepassten Reissorten an.

 

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