Milpa

Die Mischkultur der Südamerikaner namens Milpa, auch die drei Schwestern genannt, ist ökologisch gesehen ein sehr vorteilhaftes standortgerechtes nachhaltiges Anbausystem. Mais, Kürbis und Bohnen ergänzen sich im Bodenanspruch, in der Raumnutzung und bezogen auf die Ernährung. Auf dem Balkan wurde diese Mischkultur bis 1930 angewandt.

Milpa_Ute GiesenMit der Grünen Revolution, der Einführung des Kunstdüngers um 1950, änderte sich die Landwirtschaft in Europa grundlegend, auch Lateinamerika vollzog den Schritt von der hochdiversifizierten Milpakultur hin zu den Mais-Monokulturen mit der Erwirtschaftung hoher Erträge und der Änderung in der Fruchtfolge. Die traditionellen Praktiken und Methoden zur Boden-Gesunderhaltung, aber auch zur Schädlingsbekämpfung verschwanden mit den Kleinbauern zugunsten großer industrialisierter Betriebe. Die Veränderung der agrarwirtschaftlichen Systeme trägt zum Humusverlust der Böden und damit zum Verlust ihrer Fruchtbarkeit bei. Durch den steigenden Verbrauch an Herbiziden und beschleunigt durch die Gentechnik entwickeln sich zunehmend herbizidresistente Unkräuter, sog. Superweeds.

Dass hat unter anderem zur Folge, dass die Vielfalt an samenfesten Sorten schwindet, während die Abhängigkeit der Landwirte von Erzeugern von Hybridsaatgut und Herstellern agrochemischer Produkte verstärkt zunimmt. Dies führt im Extremfall zu Verödung der Anbauflächen, die damit für lange Zeit für den Anbau von Nahrung unbrauchbar werden.

Der Mais und seine Entwicklungsgeschichte zeigen deutlich, wie für die Erwirtschaftung höherer Erträge und vermeintlichem Wohlstand, die traditionell gewachsenen Lebensgrundlagen vieler Menschen unwiederbringlich zerstört werden.

Ein Vortrag von Maria Madani: Milpa: Die drei Schwestern (PowerPoint,pdf)

Sibylle Maurer-Wohlatz vom BUND Region Hannover beschäftig sich seit vielen Jahren mit dem Thema Milpa und Mais. Sie hat Ihren Beitrag vor kurzen aktualisiert: "Milpa in der Mischkultur" . Auf der Seite befindet sich zudem ein lesenswerter Flyer mit Hintergrundinformationen zur indigenen Kultur "Milpa-Mischkultur auf Terra Preta im eigenen Garten" (pdf). Saatgut zum Thema bei Ihr erfragen: smw at nds.bund.net.

Sorten für den Anbau in der Milpa-Mischkultur. Empfehlungen aus unserer Saatgutliste

Bunter Mais_Eveline RenellFür den Anbau in einer Milpa müssen starkwüchsige, und eher mittelspät oder spätreifende Maissorten ausgewählt werden, damit diese den Mais- oder Reiserbohnen Halt geben können und gemeinsam ausreifen. Traditionell werden überwiegend Körnerbohnen verwendet, denn das mehrmalige Durchernten von grünen Bohnen ist in dieser Kulturweise oft schwierig. Eine kleine Auswahl an geeigneten aktuell verfügbaren Sorten können Sie hier einsehen: Mais für Milpa (pdf)

 

Bohnenvielfalt, Ursula ReinhardFür den gemeinsamen Anbau mit Mais eignen sich Mais- oder Reiserbohnen. Diese zählen zu den halbhoch wachsenden Stangenbohnen, die Höhen von ca. 80 cm bis maximal 2 m erreichen. Dabei kann die Wuchshöhe durchaus schwanken, je nach Standort, Anbaujahr und Klima. Auch die vorangegangene Selektion bei der Vermehrung oder eine Mutation können zu Veränderungen führen. Auch wenn die Wuchshöhe nicht gleichbleibt, überwuchern diese Bohnensorten die Maispflanzen kaum oder wenig. Eine Auswahl an geeigneten und aktuell verfügbaren Sorten hat Ursula Reinhard zusammengestellt: Mais-/ Reiserbohnen für Milpa (pdf)

Für die Milpakultur sollten die Kürbissorten nicht allzu stark ranken, und eher kleine bis mittelgroße Früchte hervorbringen, weil diese nicht allzu viele Nährstoffe benötigen und schnell und gut abreifen. Eine Auswahl an geeigneten Sorten haben wir zusammengestellt: Kürbis für Milpa (pdf)

 

 

 

Gemüse des Jahres: Mais < Milpa